Gonnen, Böller und Zündmaschinen

Zurück

Achtung: Einige der hier beschriebenen Verfahren fallen unter das Sprengstoffgesetz und sind genehmigungspflichtig!

Gonnen

Die Geschichte der Feuerwaffen beginnt im Europäischen Raum nachweislich im Jahre 1326. Es waren aus Bronze gegossene flaschenartge Gebilde mit denen Geschosse verschossen werden konnten.

Eine Gonne ist eine Feuerwaffe die aus einem einseitig verschlossenen Rohr besteht welches zur besseren Handhabung auf einen Stock montiert ist. Die Zündung der in dem Rohr befindlichen Schwarzpulverfüllung geschieht mit Hilfe einer Lunte die eine kleine Pulverladung im Zündloch entzündet.  Die verbrennende Treibladung erzeugt einen hohen Druck der ein Geschoss durch den Lauf treibt. Als Geschoss dienten früher Blei oder Steinkugeln. 

Das Funktionsprinzip moderner Feuerwaffen hat sich bis heute nicht geändert. 

Angeregt durch einen Museeumsbesuch bei dem ich einige Hakenbüchsen bestaunte, fing ich an zu überlegen wie ich Nachbildungen dieser frühen Feuerwaffen nachbauen könnte. Weitere Recherchen haben eine große Vielfalt unterschiedlicher, teilweise skurriler Konstruktionen geliefert.

Danziger Gonne

Die Danziger Gonne ist eine Feuerwaffe um 1400 welche bei Erdbauarbeiten in Danzig gefunden wurde und nun in einem Museum ausgestellt ist.

Ausführliche Abbildungen vom Original der Danziger Gonne habe ich von Herrn Ulrich B. erhalten, 1000 Dank an dieser Stelle. Nach diesen Abbildungen habe ich ein Modell aus Styrodur und Modellwachs gefertigt. Dieses dann mit einer Siliconabformmasse abgeformt. Dadurch ist es nun möglich beliebig viele Wachsmodelle zu gießen. Diese Wachsmodelle werden mit einem Eingusstrichter aus Wachs versehen und in eine feuerfeste Einbettmasse eingegossen. 

Nach erstarren dieser Einbettmasse wird das Wachs ausgeschmolzen und die so entstandene Form weiter erhitzt wodurch das Wachs vollständig ausbrennt. Der so entstandene Hohlraum in der Einbettmasse bildet das Wachsmodell als Negativ ab. 

Diese Form kann nun mit Bronze abgegossen werden. 

Der für den Guss notwendige Tiegelofen samt Brenner ist, wie sollte es auch anders sein, auch selbst gemacht.

Fertiger Fehlguss -natürlich nur entformt und unbearbeitet.


Leider ist mir bis jetzt noch kein beschussfähiger Abguss gelungen. 

Ein Beschuss ist eine bei den in Deutschland zuständigen Beschussämtern durchgeführte Festigkeitsprüfung.

Freiensteiner Gonne

Die Freiensteiner Gone ist aus Stahl geschmiedet. Das Original war aus einem flachen Stück Eisen zu einem Rohr gerollt und im Feuer zum Rohr verschweißt. Die durch diese Fertigungsmethode entstandene Längsnaht ist bei der gefundenen Originalgonne beim Schuss aufgeplatzt. Na ja, was das für den Schützen heißt kann man sich ausmalen. 


Abbildung: Skizze der ausgegrabenen Freiensteiner Gonne -Zustimmung zur Veröffentlichung fehlt noch-

Aus Sicherheitsgründen habe ich eine völlig unauthentische Fertigungsmethode gewählt. -Mir stehen natürlich auch andere Ferigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Rekonstruktion habe ich aus dem Vollen geschmiedet und den Lauf auf der Drehmaschine gebohrt. 

Das ganze auf einen schönen schattenwüchsigen, gedreht verwachsenen Stab (Esche) montiert den ich im Wald gesucht und gefunden habe. Die verwachsene Stelle dient als dem Schützen als Griff.

Freiensteiner Gonne

...mit Beschuss des Beschussamtes Ulm.

 

Schuss mit der Freiensteiner Gonne auf dem Schießplatz (Auszug aus einem Video)

Böller

Ein Böller ist ein Gerät zur Erzeugung eines akkustischen Effekts. Der Knall und die deutlich spürbare Druckwelle kommt durch schlagartiges Umsetzen einer Treibladung (z.B. Schwarzpulver) zustande. 

Wie es schon ahnen lässt ist der im folgenden Bild gezeigte Böller auch selbst gemacht.

Er ist aus C60 gedreht und war zunächst auf eine 8 cm starke Grundplatte aus Birnenholz montiert. Diese ist allerdings recht bald -nicht nur längs sondern auch quer zur Maserung- gebrochen.

Hier die fertige Version des Kaliber 60mm Böllers mit eingesetztem Zünder. Das Rohr habe ich phosphatiert und auf eine von Thomas (Schreiner - siehe Anhang) gefertigte, sehr viel stabilere, 3-fach verleimte Grundplatte montiet. Dann noch selbst geschmiedete Griffe dran - fertig.


Böller

Zündphase des noch rohen und frisch vom Beschussamt Suhl beschossenen 60mm - Böllers auf dem Schießplatz.


Mündungsfeuer mit einem Durchmesser von mehr als 2 Metern.


Die Druckwelle wirbelt Blätter und düne Zweige auf.


Leider war nach nur wenigen Schüssen die erste Grundplatte zerbröselt.

Ich habe noch mehrere 30mm und 18mm Böller hergestellt die jetzt meine Freunde erfreuen.
-Bilder folgen-

Zündmaschinen


Um einen Böller elektrisch zu zünden, braucht man natürlich auch eine Zündmaschine; -nur eine Batterie zu verwenden erscheint mir irgendwie kulturlos.

Hier zwei schöne mechanische Dynamozündmaschinen.; -zwar gekauft aber dennoch erwähnenswert;-)

Eine österreichische Zündmaschine:
Schaffler und Co, Wien, Baujahr 1966, 50 Brückenzünder A, mit Ledertasche und Zubehör.



Schöne und sehr seltene Stangenzündmaschine:
Zünderwerk Ernst Brün, Krefeld, Baujahr 1940,
50 Brückenzünder A.
Diese Zündmaschine ist noch immer voll funktionsfähig und wird von mir gerne zum Böller schießen verwendet.
Ernst Brün Zündmaschine


Klar, ich hab natürlich auch ein kleines handliches Zündgerät mit hoher Leistung selbst gebaut.
Es hat eine Zündkreiskontrolllampe (ROT) eine Bereitschaftslampe (GELB) einen Schlüsselschalter  und einen Zündtaster.
Es liefert bei 12 V bis zu 30A. Somit sind auch Zünder- Sonderbauformen  auslösbar. Und wasserdicht ist das Ding auch noch.
Zuendmaschine